Die Vielen

„Darmstädter Erklärung der Vielen“ für Freiheit der Kunst

 

Darmstädter Kulturszene ist aufgerufen, die Darmstädter Erklärung DIE VIELEN
zu unterzeichnen.

Download:
DARMSTÄDTER ERKLÄRUNG DER VIELEN.pdf

Am Mittwoch 8. Mai 2019 um 10.30 Uhr haben die Darmstädter Kulturfrauen die Erklärung DIE VIELEN im Foyer des großen Hauses im Staatstheater Darmstadt vorgestellt.


Wir sind viele“: Darmstädter Kulturschaffende positionieren sich. Foto: Guido Schiek

www.staatstheater-darmstadt.de/haus/die-vielen/

Die Darmstädter Erklärung DIE VIELEN wurde von den Darmstädter Kulturfrauen, einem freien Zusammenschluss, am Internationalen Frauentag, dem 8. März 2019,
initiiert und formuliert. Bisher haben 17 Institutionen und Personen unterzeichnet.

PRESSE:
„Darmstädter Erklärung der Vielen“ für Freiheit der Kunst
Darmstädter Echo / Stefan Benz (09.05.2019)
Zusammenschluss für Freiheit der Kunst
Frankfurter Rundschau / Claudia Kabel (09.05.2019)

DIE VIELEN ist eine bundesweite Kampagne mit Aktionen und Foren, die sich für die Freiheit der Kunst und Kultur stark macht und sich entschieden gegen Repression und Ausgrenzung einsetzt. DIE VIELEN fordern einen demokratischen und offenen Umgang mit und in den Einrichtungen von Kunst und Kultur.

Jede Stadt/Region verfasst in Anlehnung an die erste Erklärung (Berliner Erklärung DIE VIELEN) eine eigene Erklärung, an die eine für alle obligatorische Selbstverpflichtung angehängt wird, die die Handlungsfelder konkretisiert (siehe www.dievielen.de).

Die Kampagne „Erklärung der Vielen“ hat einen regionalen Charakter: Alle Kultureinrichtungen werden gebeten, sich regional oder stadtweit zusammenzuschließen. Bislang beteiligen sich an die 2500 Unterzeichner. Diskussionen, Veranstaltungen und Aktionen sind Teil der Kampagne.

Für Sonntag, 19. Mai 2019, rufen „Die Vielen“ ab 12 Uhr zu bundesweiten Demos
für die Freiheit der Kunst und eine offene Gesellschaft auf.
Auch in Frankfurt ist eine Veranstaltung geplant.
Infos unter www.dievielen.de

Darmstädter Erklärung der Vielen

Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich in Zwischenräumen. Demokratie muss somit täglich neu verhandelt werden – immer unter einer Voraussetzung: Es geht um das Wohl aller, um jede*n Einzelne*n in einer Gesellschaft der vielen Möglichkeiten. In Darmstadt kreuzen sich die Wege von Menschen aus über 140 Nationen. Von der Migration hat die Stadt in ihrer Geschichte stets profitiert. Sie bedeutet Vielfalt, Diversität und erfordert produktive Auseinandersetzung und Toleranz als Fundament unserer Gesellschaft. Die zunehmende internationale Vernetzung ist Belebung und Bereicherung für jede Kultur. Der Blick in andere Länder, in denen die Rechte nicht nur von Kulturschaffenden zunehmend eingeschränkt oder unterbunden werden, zeigt das Ausmaß der Bedrohung des freien und kritischen Diskurses. Der Blick aufs eigene Land macht deutlich, dass dieser auch hierzulande verteidigt werden muss. Nach dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, dem Zivilisationsbruch durch den Nationalsozialismus, wissen wir um die Gefahren von antidemokratischen Strukturen und nationalistisch-rassistischem Gedankengut. Darmstadt wurde schnell zu einer Hochburg des Nationalsozialismus und seiner menschenfeindlichen Ideologie.

Heute leben wir in Deutschland in einer demokratischen Gesellschaft miteinander. Diesen liberalen Geist gilt es zu bewahren und weiter zu entwickeln: Die Würde des Menschen ist unantastbar. In diesem Sinne stehen wir als Aktive der Kulturlandschaft nicht über den Dingen, sondern begreifen die Kunst und ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs, die urbanen und ländlichen Orte der Kultur als offene Räume von Vielen für Viele. Demokratische und künstlerische Freiheit ist nicht ohne Widersprüche und ist niemals einfach. Aber wir verteidigen sie gegen alles, was sie bedroht: völkisch-nationalistische, fundamentalistische, populistische oder autoritäre Weltbilder. Wir verteidigen sie gegen Geschichtsverfälschung, Stimmungsmache, Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen, wie z.B. jede Form von Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Islamophobie und geben solchen Positionen keinen Raum. Im Interesse des Gemeinwesens verpflichten wir uns zur Solidarität mit Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Solidarität statt Privilegien und Ausgrenzung. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei! Die Freiheit der Kunst, Kultur und Wissenschaft duldet keine Eingriffe, sie schafft einen Raum zur Veränderung der Welt. Zu dieser Veränderung wollen wir dadurch einen Beitrag leisten, dass die Angebote in unserer Stadt allen Menschen offen stehen und die Strukturen gleiche Chancen und Teilhabe an Diskussionen und Entscheidungen auf vier Handlungsebenen ermöglichen.

• Die Darmstädter Erklärung versteht sich als Teil der bundesweiten Aktion „Die Vielen“. Diese organisiert sich über regionale Zusammenschlüsse mit lokalem Charakter, die jeweils eigene Erklärungen bundesweit verbreiten. Alle Unterzeichnenden der Darmstädter Erklärung sind Einrichtungen der Kunst und Kultur aus Darmstadt und Umgebung sowie freie Kunst- und Kulturschaffende, ihre Interessenvertretungen oder Verbände. Die Liste ist offen, ihre Unterzeichnung hat den Charakter einer Selbstverpflichtung.

• Die Unterzeichnenden wenden sich im Sinne der Erklärung mit einer gemeinsamen Haltung an die Öffentlichkeit und orientieren sich in ihrer Arbeit an deren Prinzipien. Die Bekanntgabe in der Öffentlichkeit und innerhalb der eigenen Organisation kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, z.B. auf Internetseiten, in Programmheften, als Aushang in Foyers oder in einer anderen geeigneten Form.

• Sie verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden, mit Wissenschaftsinstitutionen und Wissenschaftler*innen, die durch Hetze und Eingriffe in die Freiheit der Kunst, Kultur und Wissenschaft unter Druck geraten. In einem regelmäßigen Austausch stellen sie sich und ihre Arbeit der gegenseitigen Kritik und Diskussion.

• Ihre Veranstaltungen und Aktivitäten können die Unterzeichnenden als Teil der bundesweiten Aktion sichtbar machen sowie auf der Homepage www.dievielen.de. Umgekehrt können sich die Unterzeichnenden an bundesweiten Aktivitäten und Kampagnen beteiligen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.