Ubu c’est moi – Premiere 27. April 2019 Theater Moller Haus

Ubu c’est moi

Ein Machtspiel zwischen Musik und Schauspiel

Da brüllt einer „Schreiße!“ und schon wird er Herrscher. Wieso? Volker Ell (Musik), Max Petermann (Schauspiel) und Ossian Hain (Dramaturgie) wollen ein Monster verstehen. Alfred Jarrys legendären König Ubu, der sich zum Thron hochmordet , der rotzend und fluchend sein Volk erpresst, ein Widerling. Aber, mal ehrlich, finden wir ihn nicht auch irgendwie… sexy? Ubu, c’est moi ist ein szenischer Versuch, ein Wagnis. No risk, no fun.

Mittels Massaker an der Herrscherfamilie reißt er die Krone an sich, unterdrückt das Volk, bereichert sich schamlos. Ein Machtmensch alter Schule, Vorbild für Autokraten von heute. Alfred Jarrys grotesker König Ubu. Seine läppischen Widersacher schlachtet er ab, führt „Fynanz“kriege, und presst alle schamlos aus. Das ist nicht nur Shakespeare-Parodie! Das ist kühne Prophetie. Was – bei meiner grünen Rotze! – ist bloß so reizvoll an ihm?

Volker Ell (Musik, Max Petermann (Schauspiel) und Ossian Hain (Dramaturgie) packen das Monstrum unter die Lupe. Ubu labor: Anatomie des Bösen. Mikrochemie des Neids. Und sie nehmen die Lupe unter die Lupe. Ubu psychoanalytique: Was macht so viel Spaß an Ekel, Horror und Gewalt?

Lassen Sie sich packen! Ubu, c’est moi ist ein szenischer Versuch, ein theatraler Diskurs. Wir sind noch nicht fertig mit ihm. Treten Sie näher, treten Sie ein! Bestaunen Sie unser Panoptikum …  Ubu paradis oder Ubu catastrophe? Ubu obsessiv oder Ubu en marche? Sind wir nicht alle ein bisschen Ubu?

Aus dem Proben-Tagebuch:

Ubu, vor über hundert Jahren von seinem genialen Erfinder Alfred Jarry auf die (Theater-) Welt losgelassen, Ubu lebt: der kleine, feige Spießer, der König wird. Der seine Untertanen ausraubt und massakriert. Der zur Durchsetzung seiner „Politik“ die groteskesten Marterinstrumente erfindet: das Kneifschwein, die Gehirnzerquetschmaschine, die Ohrenschere.
Vorbild der Ubu-Figur war ein trotteliger Physik-Professor in Jarrys Schule in Rennes. Dramatisches Vorspiel waren Shakespeares Tragödien – deren Intrigen und Effekte werden im „König Ubu“ lust- und hohnvoll parodiert. Das Königsdrama, erniedrigt zum historischen  Kasperletheater. Doch was als freche Parodie geschrieben wurde, erweist sich heute als die kühnste Prophetie, die irgendeinem Dramatiker je gelungen ist:  In „Ubu“  ist, farcen- und fratzenhaft verzerrt, die Geschichte des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts vorhergesagt, die politische Geschichte (mit ihrer bizarren, eigentlich gar nicht mehr glaubhaften Gewalttätigkeit) genauso wie die Theatergeschichte.

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