IRAN 2018 – The 21st Iran International University Theatre festival Teheran

he 21st Iran International University Theatre festival Teheran

leistete sich vom 4. bis 8. Mai 2018 einen Arbeitsaustausch zur Figur des Bühnenclowns mit Theater Transit/ Clownsschule Darmstadt. Das Künstlerinnen- Kollektiv aus Deutschland und die iranische Künstlerin Mahfam Nozhatshoar hatten sich für ein Experiment entschieden: basierend auf Samuel Beckett’s “Endspiel” eine szenische Umsetzung aus zwei Perspektiven: die Sichtweise des Clowns trifft auf die Methoden des klassischen Theaters. Innerhalb des gewählten Formates agieren sowohl Schauspiel- als auch Bühnenclown-Figuren.Vor und nach ihrer Präsentation stellen sich die Künstlerinnen Fragen zu ihrer Arbeitsweise und der besonderen Definition des Bühnenclowns.
Theater-Regie: Mahfam Nozhat Shoar
Theater-Regie Schauspiel- und Bühnenclown : Ann Dargies, Clownsschule Darmstadt & Theater Transit & das Kollektiv/Ensemble Kaja Lorí, Barbara Biegl, Heike Stock, Lena Hellwig, Ann Dargies

Unsere Kollegin Mahfam schreibt und zeichnet uns und Ihnen ihre Nachgedanken: Teheran Juni 2018

Es hat so angefangen. „Ich erinnere mich daran, dass ich auf einen Stuhl saß, im Publikum. Vor mir stehen 4 Clowns. Wo waren wir? an meinem liebsten Ort, im Staatstheater in Teheran. Als ich 18 Jahre alt war, war ich jeden Tag vor der Tür des Staatstheaters. Ich war klein und hatte in mir die großen Träume. Jetzt nachdem 10 Jahre war in diesem Ort mit 4 Personen, 4 Menschen mit verschiedenen Geschichten, mit viel Lieben und Erinnerungen an ihr eigenes Land, in welchem sich wir die 5 Menschen uns begegnet haben. Theater war der einen einfache Grund, dass wir uns gefunden haben. Zurück auf der Bühne: In meinem Kopf, denke ich, ist das wunderschön, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Wir uns entschieden haben für das Risiko, wir werden ein Stück schaffen, setzen auf Kommunikation und auf Frieden zwischen Menschen. Ich war nur das dritte Augen zwischen Euch, ich war nicht auf der Bühne, Ich hatte den schönen Job, die Zeit aus der Dunkelheit Euch anzuschauen, Euer Spiel, Eure Schönheit, Eure Augen, Euer Inneres. Ich war im Publikum und  es kamen die Tränen. Vor mir stehen 4 Clowns, 4 Akteurinnen, die sich entschieden haben, dass sie die Clownsnase, die kleinste Maske der Welt, absetzen und einfach vor dem Publikum stehen. Einfach stehen in einem fremden Land, es gibt keine Augen, die ich kenne. Ich bin Fremd, niemand kennt mich, ich bin vor fremden Augen. Ich suche niemand im Publikum, ich bin allein, aber ich habe entschieden, ich möchte meine Nase absetzen und ich möchte einfach, was in mir ist, mit Euch teilen. Meine Zeichen, meine Aussagen zu „Endspiel“ Becket, „es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende, das Ende ist der Anfang.“   Ich sage Euch sehr leise: tief in meinen Augen, ihr lest alles, das ich in meinem Koffer eingepackt habe. Das Licht aus. Ich ein Teil vom Euch, im Dunkel, weinte und stolz auf die Wahl, auf uns und unsere schöne Zeit zusammen in meinem Land, in meiner Vergangenheit, meiner Jugend. Zuerst war ein Traum mit euch hier zu sein….. Und jetzt ist es nicht mehr ein Traum…..Jetzt ist es die beste Erinnerung an Euch, im Herz für Ewig.

Ewig…….Auf Frieden……Danke schön…….Mahfam Nozhatshoar


Darmstädter Echo Theater 04.05.2018
Darmstädter Clowns reisen mit Beckett nach Teheran
Von Stefan Benz

MÜHLTAL – So ein Clown bricht ja gern mit allen Regeln. Aber er muss natürlich wissen, welche Regeln es zu brechen gilt. Und der Zuschauer muss wissen, was dieser Clown für ein Kerl ist. „In einem fremden Land ist er haltlos“, sagt Ann Dargies, die sich mit einer Delegation von vier weiblichen Bühnenclowns in der Wacker-Fabrik an diesem Freitag aufmacht in den Iran. Zur Verstärkung haben sie den Iren Samuel Beckett (1906–1989) geholt – den Meister des absurden Theaters kennt man auch in Persien.
So will Theater Transit nun also am Sonntag, 6. Mai, beim 21. Internationalen Uni-Theater-Festival in Teheran Szenen aus „Endspiel“ zeigen – ein düsteres Stück für postapokalyptische Existenzialclowns: Hamm ist blind und tyrannisiert seinen Diener Clov, die Eltern hocken verkrüppelt in Mülltonnen. Erst zeigen die Darmstädter den Klassiker in Ausschnitten als Schauspiel, dann in einer Wiederholungsschleife als Clownsnummer.
Regie führt Mahfam Nozhatshoar (28), die bereits mit 18 in Teheran Studententheater gemacht hat und seit fünf Jahren in Deutschland ist. Grünes Licht für die Reise nach Teheran gab es erst im März. Ganz schön knapp – oder? Nein, ganz normal. Deutsche Performer werden da schon mal nervös: „Echt ein Abenteuer, in so eine Arbeit reinzugehen“, staunt Kaja Lori aus Herxheim nach der Probe in der Transit-Werkstatt. Nozhatshoar aber hat alle beruhigt: „Ich weiß, dass es klappt.“ Irgendwie geht es immer, selbst wenn die Zensur Zicken macht.
„In Deutschland gibt es viele Formulare, im Iran gibt es immer eine Lösung.“ Aber eben auch viele Hindernisse. Nozhatshoars erstes Stück über „Anne Frank und Gott“ war vor zehn Jahren von der Zensur zunächst genehmigt worden. Als dann aber 300 Besucher kamen, gab es Auflagen. Der Veranstaltungsort wurde wegen technischer Vorwände geschlossen. „Es ist eine Zermürbungstaktik“, weiß Nozhatshoar, die auch deshalb nach Deutschland gegangen ist, weil die künstlerische Freiheit hier viel größer ist. „Im Iran hatte ich immer das Gefühl: Ich kämpfe! Dafür habe ich im Iran auf der Bühne aber auch schon unheimlich viel Energie erlebt. Die Leute spielen oft, bis alle ihre Energie erschöpft ist, denn sie wissen ja nicht, ob es weiter geht.“
Blanke Haut an Arm und Bein ist in Teheran tabu
Auch die Darmstädter Damen werden bei ihrem Gastspiel auf der Bühne mit Einschränkungen umgehen müssen. Blanke Haut an Arm und Bein sind in Teheran tabu. Kopftücher müssen sein.
„Wir werden schöne Kostüme haben, in denen man sich gut bewegen kann“, sagt Mahfam Nozhatshoar. Sie spricht aus Erfahrung: „Die vielen Verbote machen sehr kreativ.“

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